Rückblick ohne Bilanzdruck – Wie ich mein Leben heute betrachte XXX

Inspiration zum Einsteigen 🕒 3 Min.


Ehrlich gesagt, gab es Tage, da saß ich vor meinem alten Fotoalbum und habe angefangen, im Kopf Listen zu schreiben. Auf der einen Seite das, was ich „erreicht“ habe, auf der anderen das, was ich heute als Fehlentscheidung oder verpasste Chance sehe. Kennst du diesen inneren Buchhalter auch? Er ist verdammt streng und hat meistens einen Rotstift in der Hand.

Lange Zeit dachte ich, ich müsste jetzt – in dieser Lebensphase – eine Art glanzvolle Abschlussbilanz vorlegen. Als müsste ich beweisen, dass sich die ganze Mühe gelohnt hat. Aber je mehr ich versuche, mein Leben in „Soll“ und „Haben“ einzuteilen, desto unzufriedener werde ich. Denn das Leben lässt sich nicht so einfach in Tabellen pressen.

Mein Abschied vom „Hätte ich doch …“

Ich habe für mich festgestellt: Die Momente, an denen ich am meisten knabbere, sind die „Hätte ich doch“-Gedanken. Hätte ich damals mutiger sein sollen? Wäre ich glücklicher, wenn ich an jener Kreuzung links statt rechts abgebogen wäre?

Heute versuche ich, diese Fragen leiser zu stellen. Ich betrachte mein Leben immer öfter als ein Mosaik. Wenn ich ganz nah rangehe, sehe ich die schiefen Steine, die dunklen Farben, die Brüche. Aber wenn ich einen Schritt zurücktrete, merke ich: Genau diese Brüche geben dem Bild Charakter. Mein Leben war kein Übungsstück für etwas Besseres, das noch kommen sollte. Es war und ist das Original – mit allen Flecken und Fehlern. Und das ist eigentlich eine ziemlich befreiende Erkenntnis.

Was mir der sanfte Blick schenkt

Seit ich aufgehört habe, mein Leben zu bewerten wie eine Bilanzprüfung beim Finanzamt, fühle ich mich leichter. Ich profitiere jeden Tag davon, dass ich meinem „jüngeren Ich“ mit mehr Sanftheit begegne. Ich sage mir heute: „Du hast es damals so gut gemacht, wie du es eben konntest.“

Dieser Wechsel von der Bewertung zur reinen Beobachtung schenkt mir eine Ruhe, die ich früher nicht kannte. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen – am wenigsten mir selbst. Diese Lebensweisheit ist für mich kein Endzustand, sondern ein tägliches Üben: Den Rotstift beiseitelegen und die eigene Geschichte einfach mal so stehen lassen, wie sie ist.

Ein paar Gedanken für dich

Vielleicht hast du Lust, heute gemeinsam mit mir den Bilanzdruck ein wenig zu senken? Ich habe mir ein paar Fragen überlegt, die mir dabei helfen, den Fokus zu verschieben. Vielleicht magst du dir eine davon aussuchen und für dich kurz nachspüren:

  • Welcher „Fehler“ in deiner Vergangenheit hat dich im Nachhinein zu etwas Gutem geführt, das du sonst nie erlebt hättest?
  • Wenn du heute deinem 30-jährigen Ich begegnen würdest: Könntest du es für seinen damaligen Mut (oder auch seine damalige Unsicherheit) einfach mal fest in den Arm nehmen, statt es zu kritisieren?
  • Was ist eine kleine, scheinbar unwichtige Erinnerung, die in keiner offiziellen Erfolgsliste auftaucht, die dir aber heute noch ein Lächeln ins Gesicht zaubert?

Ich würde mich riesig freuen, wenn du mir erzählst, wie es dir mit diesem „Bilanzdruck“ geht. Hast du deinen inneren Buchhalter schon in den Ruhestand geschickt oder meldet er sich noch regelmäßig zu Wort?

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