Rollen, die ich lange nicht hinterfragt habe – Wer bin ich eigentlich ohne sie? XXX

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Quelle: pexels / Andrea Piacquado · Pexels
Quelle: pexels / Andrea Piacquado · Pexels


Wenn ich heute in den Spiegel schaue, sehe ich nicht mehr nur die „funktionierende“ Person von früher. Lange Zeit war mein Leben wie ein Theaterstück, in dem ich viele Rollen gleichzeitig besetzt habe: die verlässliche Tochter, die ehrgeizige Kollegin, die aufopfernde Mutter, die perfekte Gastgeberin. Ich war so damit beschäftigt, mein Textbuch auswendig zu lernen und die Erwartungen des Publikums zu erfüllen, dass ich mich selbst dabei fast vergessen hätte.

Kennst du das auch? Dieses Gefühl, dass man Rollen spielt, die man sich eigentlich gar nicht selbst ausgesucht hat? Man rutscht da so rein – und plötzlich verbringt man Jahrzehnte damit, ein Bild zu pflegen, das gar nicht zum eigenen Kern passt.

Der Mut zum Kostümwechsel

Lange Zeit dachte ich, diese Rollen seien meine Identität. Ich definierte mich über das, was ich für andere war. Erst viel später – und oft durch Momente der Erschöpfung oder des Innehaltens – kam die Frage: „Wer bleibt eigentlich übrig, wenn ich all diese Kostüme ausziehe?“

Das Hinterfragen dieser Rollen war am Anfang beängstigend. Man hat Angst, das Umfeld zu enttäuschen oder plötzlich „nutzlos“ zu sein. Aber eigentlich ist es ein Akt der Selbstwirksamkeit. Zu sagen: „Ich bin zwar immer noch Mutter, Freundin oder Partnerin, aber ich bin nicht mehr bereit, mich in dieser Rolle aufzuopfern, bis nichts mehr von mir übrig ist“, war einer der kraftvollsten Momente in meinem Leben.

Der Gewinn: Echtheit statt Perfektion

Ich profitiere heute jeden Tag von dieser neuen Freiheit. Indem ich Rollen abgelegt oder zumindest radikal umgestaltet habe, ist Platz für etwas viel Kostbareres entstanden: Authentizität. Ich muss nicht mehr so tun, als hätte ich alles im Griff. Ich darf auch mal müde sein, ich darf unperfekt sein, und ich darf vor allem Interessen haben, die niemandem außer mir selbst dienen.

Diese Veränderung hat auch meine Beziehungen tiefer gemacht. Wer mich heute liebt, liebt nicht mehr die Rolle, die ich spiele, sondern den Menschen, der ich wirklich bin. Das ist eine Form von Freiheit, die ich mir mit dreißig noch nicht zugeträumt hätte.

Gedanken zu deinen eigenen Rollen

Vielleicht hast du Lust, heute einmal gemeinsam mit mir hinter deine eigenen Kulissen zu schauen?

  • Welche Rolle hast du am längsten gespielt, obwohl sie sich eigentlich nie „echt“ angefühlt hat?
  • Wann hast du zum ersten Mal gespürt, dass du eine Erwartungshaltung nicht mehr erfüllen willst – und was ist danach passiert?
  • Was ist eine Eigenschaft von dir, die in deinen bisherigen Rollen nie Platz hatte, die du aber heute endlich ausleben darfst?

Es ist nie zu spät, das Drehbuch umzuschreiben. Manchmal reicht es schon, eine einzige kleine Szene zu ändern, um sich wieder selbstwirksam und lebendig zu fühlen. Welche Rolle darf bei dir heute endlich in den Ruhestand gehen? Ich freue mich auf deine Gedanken dazu!


Dieser Beitrag gehört zur Kategorie Lebensweg und Rückblick und ist mit dem Tag Selbstwirksamkeit verknüpft – denn wir entscheiden selbst, wer wir auf der Bühne unseres Lebens sein wollen.

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