

Wenn ich an die großen Abschiede in meinem Leben denke, spüre ich immer noch diesen kleinen Stich in der Herzgegend. Es gibt Abschiede, die wir uns aussuchen, und solche, die uns mit voller Wucht treffen und uns den Boden unter den Füßen wegziehen. Lange Zeit habe ich das Ende von Etwas nur als Verlust gesehen – als eine Lücke, die sich niemals wieder schließen lässt.
Aber wenn ich heute, mit etwas mehr Abstand, auf diese Schwellenmomente blicke, erkenne ich etwas anderes: Jeder Abschied hat mich gehäutet. Er hat mich gezwungen, meine innere Resilienz zu entdecken, von der ich vorher gar nicht wusste, dass ich sie besitze.
Die Stille nach dem Gehen
Egal, ob es der Auszug der Kinder war, das Ende eines Berufslebens, das Scheitern einer Freundschaft oder der endgültige Abschied von einem geliebten Menschen – danach ist es erst einmal still. In dieser Stille habe ich mich oft gefragt: „Wer bin ich jetzt, da dieser Teil meines Lebens fehlt?“
Ich habe gelernt, dass man Abschiede nicht „hinter sich bringt“, wie eine lästige Aufgabe. Man nimmt sie mit. Sie verändern die Art, wie wir die Welt sehen. Sie machen uns dünnhäutiger, ja, aber auch mitfühlender und tiefer. Ich profitiere heute von der Stärke, die in diesen dunklen Stunden gewachsen ist. Ich weiß jetzt, dass ich wieder aufstehen kann, auch wenn ich dachte, es geht nicht mehr weiter.
Der Raum, der frei wird
Es klingt oft wie ein abgedroschener Trostspruch, dass „jedes Ende ein neuer Anfang“ sei. In der Akutphase eines Abschieds wollte ich das nie hören. Und doch: Rückblickend betrachtet, hat jeder Abschied in meinem Lebenshaus einen Raum freigemacht. Oft wusste ich anfangs gar nicht, was ich mit diesem leeren Zimmer anfangen soll.
Manchmal hat es Jahre gedauert, bis ich den Mut fand, die Fenster in diesem neuen Raum zu öffnen. Aber heute weiß ich: Diese schmerzhaften Prozesse haben mir die nötige Widerstandskraft gegeben, um dem Älterwerden mit Gelassenheit zu begegnen. Ich habe das Loslassen geübt. Und ich habe überlebt.
Gedanken zu deinen eigenen Abschieden
Vielleicht trägst du heute auch einen Abschied im Herzen, der dich noch beschäftigt? Es hilft oft, das Schweigen darüber zu brechen:
- Welcher Abschied hat dich am meisten über deine eigene Stärke gelehrt?
- Was hast du in der Zeit danach über dich erfahren, was du vorher nie für möglich gehalten hättest?
- Gibt es etwas, das du heute – trotz des Schmerzes – als wertvolles Erbe eines vergangenen Lebensabschnitts bewahrst?
Abschiede sind die harten Lehrmeister des Lebens, aber sie schenken uns eine Tiefe, die man auf den sonnigen Gipfeln allein nie finden würde. Wie hast du gelernt, mit dem Loslassen umzugehen? Ich freue mich, wenn du deine Erfahrungen (nur so viel, wie sich gut anfühlt) mit mir teilst.
Dieser Beitrag gehört zur Kategorie Lebensweg und Rückblick und ist dem Tag Resilienz gewidmet – weil unsere Narben oft die Stellen sind, an denen wir am stärksten geworden sind.
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