

Einführung
Werte und Haltung bilden deinen inneren Kompass. Sie entwickeln sich oft unbewusst – besonders in Kindheit und Jugend – durch Erziehung, gelebte Tradition und durch Menschen aus deinem Umfeld, zu denen du eine besondere Verbindung spürst. Der Einfluss von Religionen und religiösen Gemeinschaften hat Jahrhunderte lang dein Werteempfinden geprägt und durchdrungen – oft im Hintergrund, aber dennoch spürbar.
Je nach Persönlichkeitstyp und Lebenserfahrung nimmst du diese Werte unterschiedlich auf. Am Ende hast du deinen eigenen Wertekompass, der im hektischen Berufsleben oft an Bedeutung verliert – weil Zeit knapp ist und Prioritäten sich verschieben.
Doch wenn die Zeit kommt, bietet sich eine gute Gelegenheit, deinen Kompass hervorzuholen und neu zu justieren. Beginne damit, eine Wertetabelle für dich zu dokumentieren und dich mit ihr ehrlich auseinanderzusetzen.
Erst wenn du deine Werte aufschreibst, kannst du dich damit wirklich beschäftigen und gegebenenfalls Werte neu definieren oder anders priorisieren. Deine aktuelle Liste musst du nicht mit anderen teilen, doch es gibt sicher Punkte, über die du mit anderen ins Gespräch kommen kannst.
Ob im inneren Disput mit dir selbst oder im Austausch mit anderen – am Ende erkennst du besser, wie gut dein Wertesystem zu deiner Haltung passt. Das stärkt dein Selbstbewusstsein und hilft dir, dich selbst klarer einzuschätzen.
In meinem Blog findest du längere Infobeiträge zu Themen, die Werte und Haltung beeinflussen können, sowie zahlreiche Impulsbeiträge, die bestimmte Aspekte in den Fokus rücken. All das soll dir Orientierung geben, dich selbst besser kennenzulernen und dein Wertesystem bewusst zu machen. Denn ein gesundes, bewusstes Wertesystem bildet die Basis für deine zukünftigen Entscheidungen.
Wertetabelle
Hier ist eine kurze, einfache Methode, um eine Wertetabelle zu erstellen. Du kannst sie direkt nutzen oder später erweitern.
- Kernwerte sammeln (5–8 Werte)
- Wähle 5 bis 8 Werte, die dir aktuell am wichtigsten sind. Beispiel-Werte: Respekt, Ehrlichkeit, Verantwortung, Mitgefühl, Freiheit, Gerechtigkeit, Loyalität, Dankbarkeit.
- Falls dir weniger als 5 einfallen, starte mit 4 und ergänze später.
- Werte beschreiben
- Schreibe zu jedem Wert eine kurze, klare Definition, was er für dich bedeutet.
- Beispiel: Ehrlichkeit – Offen und wahrhaftig kommunizieren, auch wenn es schwerfällt; Verantwortung übernehmen für die eigenen Worte und Taten.
- Prioritäten festlegen
- Sortiere die Werte in eine Reihenfolge von 1 (höchste Priorität) bis N.
- Halte bewusst fest, dass Prioritäten sich ändern können – flexibel bleiben.
- Relevanz im Alltag prüfen
- Notiere eine konkrete Situation aus dem letzten Monat und frage dich:
- Welcher Wert war dort besonders sichtbar?
- Welcher Wert ist dort verletzt worden oder hätte stärker umgesetzt werden können?
- Handlungsableitungen ableiten
- Formuliere 1–2 konkrete Verhaltensweisen pro Wert, die du künftig stärker leben möchtest.
- Beispiel für Respekt: Aktiv zuhören, auch in Konflikten die Sicht des anderen einbeziehen.
- Beispiel für Verantwortung: Versprechen einhalten, klare Fristen setzen und kommunizieren, falls sich etwas verschiebt.
- Regelmäßige Reflexion (optional, aber hilfreich)
- Lege eine kurze Check-in-Routine fest (z. B. einmal pro Monat 15 Minuten).
- Prüfe: Habe ich die Werte in der letzten Zeit angemessen umgesetzt? Welche Anpassungen sind nötig?
Beispiel für eine Wertetabelle
Folgende Wertetabelle habe ich exemplarisch erstellt, um Dir einen Eindruck zu vermitteln.
Werte (Priorisierung: 1 = höchste Priorität)
- Rang 1: Eigene Freiheit
- Rang 2: Respekt
- Rang 3: Verantwortung
- Rang 4: Mitgefühl
- Rang 5: Eigenständigkeit
Definitionen (je 1–2 Sätze)
- Eigene Freiheit: Die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, authentisch zu handeln und persönliche Grenzen zu wahren – auch dann, wenn andere nicht diese Wege bevorzugen.
- Respekt: Dem Gegenüber mit Wertschätzung begegnen, Unterschiede anerkennen und unterschiedliche Meinungen fair berücksichtigen.
- Verantwortung: Für das eigene Handeln und die Folgen eintreten, Versprechen halten und Aufgaben zuverlässig angehen.
- Mitgefühl: Die Gefühle anderer wahrnehmen, sich in sie hineinversetzen und unterstützend reagieren.
- Eigenständigkeit: Selbstbestimmt denken und handeln, sich eigene Standpunkte bilden und unabhängig agieren, ohne andere zu übergehen.
Konkrete Verhaltensweisen (je 1–2 Beispiele)
- Eigene Freiheit
- Entscheidungen bewusst prüfen, welche Freiheiten ich mir geben möchte, und klare Grenzen setzen.
- Nein sagen, wenn etwas meine Integrität oder Werte verletzt.
- Respekt
- Aktiv zuhören und in Konflikten die Perspektive des anderen einbeziehen.
- Andere Meinungen fair diskutieren, ohne Herabsetzungen.
- Verantwortung
- Versprechen einhalten und Fristen kommunizieren, falls sich etwas verschiebt.
- Fehltritte anerkennen, daraus lernen und korrigieren.
- Mitgefühl
- Bei Sorgen oder Schmerz anderer nachfragen und Unterstützung anbieten.
- Geduld zeigen, wenn jemand Zeit braucht, um sich zu erklären.
- Eigenständigkeit
- Eigene Standpunkte prüfen, eigenständig recherchieren und begründen.
- Selbstbestimmt handeln, bei Bedarf jedoch Rat suchen, ohne sich bevormundet zu fühlen.
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