Vergebung – Den Rucksack der Groll-Steine leeren XXX

Impuls zum Einsteigen 🕒 3 Min.


Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie viel Energie es eigentlich kostet, jemandem etwas „nachzutragen“? Das Wort sagt es bereits: Wir tragen etwas nach. Wir schleppen alte Verletzungen, bittere Worte und Ungerechtigkeiten wie schwere Wackersteine in einem unsichtbaren Rucksack mit uns herum. Jedes Mal, wenn wir an die Person denken, die uns enttäuscht hat, greifen wir in diesen Rucksack, holen den Stein heraus, betrachten ihn wütend und legen ihn wieder zurück.

Früher dachte ich, Groll sei eine Art Schutzschild. Wenn ich dem anderen nicht vergebe, bestrafe ich ihn für das, was er getan hat. Doch mit den Jahren habe ich eine bittere Wahrheit erkannt: Der Groll schadet dem anderen meistens überhaupt nicht – er vergiftet nur mein eigenes Herz. Vergebung ist kein Geschenk an den Täter; sie ist ein Akt der puren Selbstwirksamkeit für mich selbst.

Das Missverständnis der Vergebung

Oft zögern wir mit der Vergebung, weil wir sie mit „Vergessen“ oder „Gutheißen“ verwechseln. Aber Vergebung bedeutet nicht, dass das Geschehene plötzlich okay ist. Es bedeutet auch nicht, dass man die Person wieder in sein Leben lassen muss. Vergebung heißt schlichtweg: „Ich erlaube der Vergangenheit nicht länger, meine Gegenwart zu diktieren. Ich gebe den Anspruch auf eine bessere Vergangenheit auf.“

Indem ich vergebe, ziehe ich den Stecker aus der alten Schmerzquelle. Ich entscheide mich für Klarheit und inneren Frieden. Ich profitiere heute täglich davon, dass mein „Gepäck“ leichter geworden ist. Es ist ein unglaubliches Gefühl von Freiheit, wenn man merkt, dass man beim Gedanken an eine alte Geschichte nicht mehr sofort in Abwehrstellung geht, sondern nur noch ein sanftes „Ja, das war so, aber es ist vorbei“ spürt.

Den Blick auf sich selbst richten

Die schwerste Form der Vergebung ist jedoch oft die, die uns selbst betrifft. Wir sind oft unsere härtesten Richter. Wir tragen uns Fehler nach, die wir vor dreißig Jahren begangen haben. Wir hadern mit verpassten Chancen. Doch auch hier gilt: Wer sich selbst nicht vergibt, bleibt in einem inneren Gefängnis sitzen, dessen Tür eigentlich offen steht.

Ich habe gelernt, gnädiger mit meinem „jüngeren Ich“ zu sein. Dieses Ich hatte damals vielleicht nicht die Werkzeuge, die ich heute besitze. Mit meiner heutigen Lebensweisheit kann ich sagen: „Ich vergebe mir. Ich habe daraus gelernt, und ich darf jetzt weitergehen.“

Eine Übung im Loslassen

Vielleicht spürst du auch diesen einen Stein im Rucksack, der dich schon viel zu lange drückt?

  • Gibt es eine Person, deren Name allein schon ausreicht, um deinen Puls zu beschleunigen? Was würde passieren, wenn du heute beschließt, dass dieser Mensch nicht mehr die Macht über deine Laune haben darf?
  • Was ist die eine Sache, die du dir selbst noch nicht verziehen hast? Könntest du heute versuchen, dich selbst so liebevoll zu betrachten, wie du einen guten Freund betrachten würdest?
  • Wie würde sich dein Alltag anfühlen, wenn dein Rucksack plötzlich federleicht wäre?

Vergebung ist kein einmaliges Ereignis, sondern oft eine tägliche Entscheidung. Aber jeder Stein, den wir am Wegrand liegen lassen, macht den Weg nach vorne schöner. Ich bin gespannt: Hast du schon einmal erlebt, wie befreiend ein „Ich vergebe dir“ (auch wenn es nur leise in deinem Kopf ausgesprochen wurde) sein kann?


Dieser Beitrag gehört zur Kategorie Werte und Haltung und ist mit dem Tag Resilienz verknüpft – denn echte Stärke zeigt sich im Loslassen.

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